Unser einziger Planet

Sonntag, 8. April 2018

Letzten Monat, am 22. März, war der Weltwassertag. Ich hab bereits eine lange Tweet-Reihe dazu verfasst, aber Tweets gehen unter, während Blogbeiträge bestehen bleiben. Und die Ozeane, die unsere Kontinente umspülen, sollten nicht untergehen. Und erst recht nicht, was mit ihnen passiert. Ich war auf einem Vortrag des Umweltaktivisten und Start-Up-Unternehmers Christoph Schulz (Wenn ihr seinen Namen klickt, landet ihr bei CareElite, wo er über Plastikmüll aufklärt, Firmen empfiehlt und informiert, wie plastikfrei gelebt werden kann). Was ich hier geschrieben habe, hab ich daraus erfahren und mich zunehmend noch informiert. Unsere Gesellschaft muss hat hier noch Einziges zu tun.

Das Plastikproblem

Die Welt hat ein Plastikproblem. Plastik ist günstig in der Verarbeitung (Kleidung aus Polyacryl, Polyester, etc ist zum Beispiel auch deutlich günstiger) und in Unmengen produzierbar, kostet weniger Arbeitskräfte (statt zum Beispiel Baumwolle, die gepflückt werden muss) und ist generell eine einfache Lösung für alles. Die Zahnpasta hat nicht die richtige Konsistenz? Knallen wir ein bisschen Mikroplastik rein, um das zu strecken, dann passt das schon.

Aber Plastik zersetzt sich nicht. Es stapelt sich. Die Müllberge steigen. Die Plastikberge werden größer. Und immer noch werden Unmengen Plastikmüll auf verschiedenen Wegen in die Ozeane geleitet.
Bereits jetzt sind 120 Tonnen(!) Plastikmüll in den Ozeanen der Welt. 15% davon sind an der Wasseroberfläche und 15% landen an Stränden von zum Beispiel in Bali, in Sri Lanka, Indien und wie sie nicht alle heißen. In Ländern wie Bali wird Plastik bisher nicht mal wieder verwendet, wie wir das beispielsweise von Pfandflaschen kennen – Nachdem eine Flasche leer ist, verliert sie ihren Wert. Und wird weggeworfen. Oftmals sogar mitten auf die Straße. Oder Leute sammeln ihren Müll und kippen alles an die Strände, weil nur zweimal oder dreimal die Woche ein Bagger kommt, der die Müllsäcke/den Müll generell von den Straßen holt.

In Deutschland ist das anders. Wir haben Aufklärung. Uns ist klar, dass Plastik ewig braucht, um sich zu zersetzen und schmeißen es sonst wohin, als ob dieser Planet nicht unser Einziger wäre, sondern als ob wir noch zehn andere in der Hinterhand hätten. Wir fangen an zu recyclen, sind aber erst bei 40%. Was passiert mit den anderen 60%?

Jeder Deutsche produziert im Jahr 37 Kilogramm Plastikmüll im Durchschnitt. Wiegt doch mal das Plastik, in dem eure Wurst/Käse/etc eingeschlagen ist. Rechnet dann mal hoch, wie viele Verpackungen ihr bräuchtet, um bei 37 Kilogramm anzukommen. Und das jährlich. Pro Mensch in Deutschland (und es gibt Länder wie die USA, China, in denen nicht nur die Bevölkerungsanzahl höher ist, sondern der Plastikverbrauch noch immenser). Ihr schmeißt leere Verpackungen wahrscheinlich weg, aber von euren 37 Kilogramm werden nur 40% recycled. Der Rest muss weggeschafft werden, auf Müllberge, Inseln und … Auch in Ozeanen.

Was bedeutet das?
Großes Tieresterben. Es gibt verschiedene Horrorszenarien – Wir erinnern uns alle an das Foto des Albatross, dessen Magen voll mit Plastikmüll war: Becher, Feuerzeuge, Plastiktüten. Alles gefressen, weil er es entweder beim Jagen von Beute versehentlich mitverschluckt hat (15% Plastik sind ja an der Wasseroberfläche) oder weil er es für Nahrung gehalten hat.
Kleine Babyschildkröten verheddern sich in Sixpackringen, die sie am Anfang nicht sonderlich stören. Aber wenn sie irgendwann groß werden, wird der Ring zu klein und wird sie ersticken, weil sie sich aus diesem anschließend nicht mehr befreien können. Sie fressen Plastiktüten (wir kennen doch diese weißen Plastiktüten, die uns zum Beispiel in Supermärkte mitgegeben werden), weil sie im Wasser ähnlich aussehen wie Quallen. Aber es ist keine Qualle. Da steckt dann eine Plastiktüte im Tierkörper und wisst ihr, wie lange eine Plastiktüte braucht, um sich zu zersetzen? 20-50 Jahre. Vorher blockiert und zerstört sie das Innere der Schildkröte, die eine Qualle fressen wollte.

Ich muss nicht fortsetzen. 2050, so die Prognose, wird es mehr Plastik im Wasser geben als Fische. Wir werden das Plastik, das wir hineingeworfen haben, wieder zu uns nehmen, wenn wir Fisch essen. Wir nehmen wahrscheinlich bereits Plastik zu uns – Mikroplastik.
Mikroplastik befindet sich beispielsweise in Waschmittel, Kleidung, Zahnpasta und Kosmetika. Auch in Waschgelen, die wir benutzen. A) Können Kläranlagen diese winzigen Teilchen nicht filtern und B) verschmutzen sie auch unsere Ozeane.

In den Ozeanen bilden sich inzwischen sogenannte „Garbage“-Strudel. Sie befinden sich in der Nähe des Äquators, weil da die Meereströme aufeinander trefffen. Es gibt fünf sehr große Strudel. Beispielsweise wird der Nordpazifische Müllstrudel auf eine Größe von circa 700.000 bis sogar 15.000.000 Quadratmetern geschätzt. Im Inneren ist tonnenweise Plastikmüll, der sich die ganze Zeit dreht.

Was ist das für Müll, der im Meer landet?
Wir leben in einer Einweggsellschaft. Wir lieben Dinge, die wir einmal benutzen und dann wegwerfen können, also sind nicht nur Pfandflaschen das Problem. Windeln für Kinder (die zu 70-80% aus Plastik bestehen), Einwegrasierer, Shampooflaschen, Joghurtbecher, Verpackungen von Süßigkeiten, Verpackungen von Wurst und Käse, Getränkebecher (Becher von McDonalds zum Beispiel), Q-Tipps, die Liste ist unendlich lang.


Photo by Jeremy Bishop on Unsplash

Was können wir tun?
Viele leben mit dem Eindruck, dass man als Einzelner nichts tun kann. Was nicht wahr ist! Natürlich können wir alleine nicht den Planeten retten und den Müll, den wir vermeiden, wird nicht den Ozean von Plastik befreien. Aber wenn jeder von uns bewusster lebt und sich vor Augen führt, wo er Plastik benutzt und wo er es vermeiden kann, ist schon viel geholfen. Hier ein paar Möglichkeiten, was sich im Alltag integrieren lässt:

Edelstahlflaschen statt Pfandflaschen
Trinkt Wasser aus dem Hahn aus eurer Edelstahlflasche. Wasser aus dem Hahn ist gefühlt 100% günstiger als beispielsweise Wasser von Volvic zu kaufen. Ihr könnt eure Edelstahlflasche immer wieder auffüllen, sie ist leicht, es gibt sie in super vielen, verschiedenen Farben und ihr spart euch die Zeit und Mühe, die Flaschen zu sammeln und wieder wegzubringen. Das Einkaufsverhalten der Menschen beeinflusst den Markt. Wenn weniger Flaschen gekauft werden, werden auch weniger produziert, also tut ihr auch gleich etwas für die Umwelt.

Trage einen Thermobecher oder Boxen mit dir herum
Thermobecher sind toll, wenn du dir unterwegs einen Tee kaufen willst oder einen Kaffee. In den meisten Shops sind Becher aus Plastik oder zumindest zum großen Teil. Du sparst dir das Wegschmeißen und dein Getränk bleibt auch länger heiß.
In die Boxen kannst du dir zum Beispiel Essen füllen lassen, wenn es dich unterwegs packt. Das klappt nicht immer, aber einen Versuch ist es wert, besonders auch wenn du beim Einkaufen bist und Wurst/Käse kaufen an die Theke gehst. Auch beim Bäcker kannst du versuchen, dir ein eigenes Netz mitzunehmen, in das die Brötchen dann geworfen werden.

Gehe auf dem Wochenmarkt oder in Unverpackt-Läden einkaufen
Hier kannst du dir dein Essen in Boxen/Netze/etc einfüllen lassen. Falls du keine Zeit dafür hast, es sowas bei dir in der Nähe nicht gibt, ist es einfach hilfreich, die Augen offen zu halten, wo du Plastik sparen kannst (zum Beispiel Tiefgekühltes von Frosta kaufen! Die verpacken nur einmal und zwar in Pappe). Oder kauft keine „Bio“gurke, die in Plastik eingeschlagen ist

Verzichte
Wenn du unterwegs Hunger kriegst und gerade nichts dabei hast: Frag dich doch, ob du nicht zu Hause auch essen kannst. Oder in eine Restaurant in der Nähe, wo du einen Teller kriegst. Auf der Veranstaltung, auf der ich war, sagte eine Frau so passend: „Früher musste auch nicht immer und überall gegessen werden!“

Checkt, welche Produkte, die ihr nutzt, Mikroplastik enthalten
Es gibt die App „CodeCheck“. Damit könnt ihr Barcodes scannen und seht, wo Mikroplastik drin ist. Zum Beispiel auch in Cremes. Ehrlich: Wollen wir uns das auch noch ins Gesicht schmieren? Plastik? Soll das unser Haut gut tun?

Versuch dich an DIY
Seifen, Duschgele und andere Hygieneprodukte lassen sich selbst herstellen. Ihr könnt eigene, wiederverwendbare Packungen nehmen und ihr wisst, was drinnen ist. Wie cool ist das bitte?

Kauft Naturfasern
Baumwollkleidung ist teurer, das weiß ich. Aber immer, wenn ihr euren Polyester-Pullover oder Polyacryl-Schal wascht, fliegen Plastikfasern ins Wasser, die sich nicht filtern lassen. Baumwolle hält aber für gewöhnlich länger, ist qualitativ hochwertiger und dementsprechend auch ein längerer Freund von euch.
Natürlich gibt es auch Teile, die sind einfach aus anderen Materialien, die nicht Naturfasern sind. Die könnt ihr in Wäschesäcke stecken, wo die Fasern aufgefangen werden, dann tut ihr zumindest auch was dafür.

Tragt einen Beutel mit euch herum
Plastiktüten sind zumindest keine Selbstverständlichkeit mehr, zumindest in Deutschland. Aber ihr könnt euch auch die Papptüte sparen, indem ihr einfach selber einen Beutel mit euch herumtragt und so immer alles tragen könnt, das ihr unterwegs einkauft.

Habt ihr noch mehr Hinweise? Schreibt sie in die Kommentare, dann werde ich die Liste ergänzen!

Natürlich ist es schwierig, alles davon umzusetzen. Nichts davon geht von heute auf morgen, besonders, weil Plastik hier einfach Alltag ist, auch noch für mich. Schritt für Schritt lassen sich Dinge umsetzen, beispielsweise hab ich – seit ich den Vortrag von Christoph Schulz gehört hab – aufgehört, Wasser aus Plastikflaschen zu trinken, sondern trinke Wasser aus dem Hahn aus einer Edelstahlflasche. Das Auffüllen nervt etwas, weil nur ein Liter reingeht, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Ich trage auch immer einen Thermobecher und einen Beutel mit mir herum, ich verzichte immer öfter auf Essen unterwegs und achte auf meine Kleidung. Perfekt macht mich das nicht, aber jeden Tag ein bisschen mehr und das wird. Niemand verlangt von euch, dass ihr zum Beispiel keinen Computer mehr benutzt, weil die Tastatur aus Plastik ist. Nur mit der Einweg-Politik muss Schluss sein!

Wir haben nur diesen einen Planeten! 
So sollten wir ihn auch behandeln.

• Alles, alles Liebe
Laura


Post Comment
Kommentar veröffentlichen