Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken - John Green

Sonntag, 4. März 2018

Inhalt: 

Aza Holmes hatte ganz sicher nicht vor, sich an der Suche nach dem verschwundenen Milliardär Russell Pickett zu beteiligen. Sie hat genug mit ihren eigenen Problemen und Ängsten zu kämpfen, die ihre Gedanken beherrschen. Doch als eine Hunderttausend-Dollar Belohnung auf dem Spiel steht und ihre furchtlose beste Freundin Daisy es kaum erwarten kann, das Geheimnis um Pickett aufzuklären, macht Aza mit. Vielleicht kann sie trotz ihrer Ängste mehr sein als nur eine gute Tochter und Schülerin – zumindest eine gute Freundin. Aza versucht es, und überwindet gemeinsam mit Daisy nicht nur kleine Hindernisse auf dem Weg zu Pickett, sondern auch große Gegensätze, die sie von seinem Sohn Davis trennen. Für Aza wird es eine Reise ins Zentrum ihrer Gedankenspirale.


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Buch: Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken
Autorin: John Green
Verlag: Hanser
Gebundenes Buch: 281 Seiten
Preis: 20 Euro
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Es hat gedauert. Fünf lange Jahre. Fünf. Jahre. Und dann kam „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“, das erste Buch von John Green seit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Ich, als absoluter John Green Fan, war noch immer gezeichnet von dem Herzbruch, den ich nach Jahren immer noch von Hazel und Augustus hatte oder all seinen Büchern, die ich in der Zwischenzeit nochmal gelesen habe. Und bevor ich in John Greens nächstes Buch gesprungen bin, hab ich genau das erwartet: Ein typisches John Green Buch. Figuren mit Nischenwissen. Anspruch. Besonderen Hobbies. Kluge Sätze, zuende gedachte Meinungen. Charaktere, in die man sich verliebt, die man im wirklichen Leben kennenlernen will, neben sich haben und heilen möchte.

In vielen Punkten konnte John Green meine Erwartungen bestätigen. Aber doch war im Endeffekt alles ganz anders. In „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ geht es um Aza Holmes, die unter Zwangsgedanken leidet, sich vor den Flüssigkeiten ihres Körpers und anderer Körper ekelt (insbesondere wegen der Bakterien) und sich immer von diesen befreien will. John Green zeigt ihre Gedanken schonungslos und hat den Leser im Laufe des Buches auch nicht nur ein einziges Mal glauben lassen, Aza könnte aufhören, diese Zwangsgedanken zu haben oder könnte gar „geheilt“ werden. Ebenso klar wurde angesprochen, dass sie sich in Therapie befindet, dass es ein Kampf ist, den man auch verlieren kann, wenn die Gedankenspiralen endlos erscheinen und man sich aus diesen auch nicht befreien kann.

Das macht sein neues Buch so gewaltig: Aus meiner Sicht war es noch um einiges schonungsloser mit dem Leser als es sein Vorgänger. Jugendliche werden auf authentische, ehrliche Art mit psychischen Krankheiten konfrontiert, ein sowieso vollkommen unterrepräsentiertes Thema auf dem deutschen Buchmarkt. Dabei waren und sind psychische Krankheiten ein Thema, mit dem man früh genug konfrontiert werden sollte, um jede Stigmata auszuschalten, bevor sie entstehen können. Im ganzen Buch ist Aza krank – Das macht sie jedoch zu keinem Zeitpunkt weniger menschlich, sondern nur ihr Leben und die Beziehungen zu den Menschen in ihrem Umfeld und sich selber schwieriger.


Insbesondere die Beziehungen zu Davis Pickett, dem Sohn des verschwundenen Milliardärs, und ihrer besten Freundin Daisy waren hier bezeichnend.
Die Romanze zu Davis, war weder in der Lage, Aza zu heilen, noch zu verändern. Nichtdestotrotz waren Davis und Aza ein kleines Highlight der Geschichte für mich, in vielen Punkten. Aza und Davis waren schwierig zusammen, weil sie beide mit eigenen Problemen zu kämpfen hatten, aber dennoch Dinge hatten, die sie verbunden hatten.

Eine andere Figur, die mir ebenfalls sehr viel bedeutet hat, ist Azas beste Freundin Daisy. Zugegebenermaßen hab ich mich lange Zeit im Buch gefragt, warum Daisy und Aza überhaupt beste Freundinnen sind, weil Daisy laut und verquatscht ist und Azas kaum redet, aber desto weiter ich gelesen habe, desto klarer wurde es für mich. Besonders Daisy ist für mich ein Paradebeispiel für die Stärke dieses Buches, noch mehr als in John Greens anderen Werken:
Authentizität.
Während man bei „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ manchmal schon ein wenig eingeschüchtert von der klugen Hazel Grace war, erschien in seinem neue Buch niemand absolut perfekt. Keiner seiner Figuren, inklusive dem Ausgang der Geschichte, ist perfekt. Es gibt nicht nur rosarot und alles-wird-gut, wir-gehen-in-den-Sonnenuntergang. Manche Dinge gehen gut aus. Manche Dinge nicht. Wir machen Fehler und manche von uns müssen dafür bezahlen, während andere damit davonkommen.

Während ich viele schlechte Kritiken gelesen habe, die besonders thematisiert haben, dass John Greens Aza keine Identifikationsfigur war, war das gerade etwas Gutes an dem Buch für mich: Es ging für mich nicht darum, mich in Aza hineinzufühlen oder wie sie denken zu können. Es ging darum, zu verstehen. Etwas mitzunehmen. Darüber, wie psychische Krankheiten funktionieren können. Was sie ausmachen, aber dass sie uns nicht ausmachen. Dass nicht jedes Ende, das kein „Happy End ist“ ein schlechtes Ende ist. Aber dass Geschichten trotzdem schlecht ausgehen können und wir trotzdem weitermachen.
Und wie nach jedem John Green Buch habe ich etwas mitgenommen. Für mich und für die Zukunft.

Laura

B E W E R T U N G

TIEFE: 5/5 Punkte
CHARAKTERE: 5/5 Punkte
KONZEPTION: 3/5 Punkte
GESAMT: 13/15 Punkten
Kaufempfehlung: Bitte kauft und lest es alle!

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