Rückblick: Die Leipziger Buchmesse

Sonntag, 25. März 2018

Die Leipziger Buchmesse lief letzte Woche um diese Uhrzeit noch. Ja, es war schon kurz vor dem Ende und draußen toste der Schnee wie verrückt. Mir kommt es so vor: Eine Woche ist es erst her, dass ich dort gewesen bin? Soviel länger kommt es mir schon her vor.
Und Blues, von den Büchermenschen, die man dort getroffen und den spannenden Sessions und Lesungen, die man erleben durfte, sind größer denn je.


Die Vorbereitung der Tage
Super aufgeregt bin ich durchs Programm gerauscht, habe alle Veranstaltungen herausgeschrieben, die mich interessieren könnten und habe zwei DIN-A4-Seiten vorder- und rückseitig vollgeschrieben, was ich alles sehen wollte.
Natürlich wurden alle möglichen Tipps zu Buchmessen vorher durchgelesen, woran man denken sollte, was man auf keinen Fall vergessen durfte, welche Besonderheiten es gab, auch Diskussionen verfolgt, wie die letzten Messen abliefen, was wer dort schon durchlebt hat.
Ob ich gethrillt gewesen bin?
Absolut.

Die Messetage

Ausblick in die Glashalle.


Donnerstag, 15. März

Die Vorfreude war doch so groß, dass man kaum geschlafen hat. Ich und die liebe Laura sind dann frühmorgens aus Berlin losgegondelt und immer hatte ich spitze Ohren, ob jemand die Buchmesse erwähnt. Im ICE habe ich auf die Reservierungsanzeigen geachtet, wie viele Menschen wohl nach Leipzig wollten und des öfteren hab ich versucht zu durchschauen, ob diese Leute wohl aus dem gleichen Grund dahin unterwegs gewesen sind wie wir beide.
(Wie sich dann herausstellt, sind zwei unserer Buchhändlerinnen aus der Stadt im gleichen ICE gewesen und auf dem gleichen Weg wie wir. Sachen gibt’s.)
Nachdem wir unsere Sachen im Hotel abgeladen hatten und endlich bei der Messe ankamen, war ich vor allem eines: Überwältigt. Ich hatte mir mehrmals deutlich gemacht, dass alles sehr groß und unübersichtlich sein wird, aber war dann doch … Geschockt? Positiv geschockt. Soviele Menschen, so viele unfassbare coole Cosplayer, soviele Verlags- und Büchermenschen, überall. Über die Fläche, die man beschreiten kann, muss ich nicht erst anfangen zu sprechen.
Kurz danach war unsere Skepsiswerke-Squad auch vereint, als Kira dazugestoßen ist.
Ironisch, wie es manchmal ist, kam gerade das Gespräch auf, ob man bei den Menschenmassen überhaupt jemanden erkennen würde, den man kennt, als wir Jenna Liermann gesehen haben, eine unserer gemeinsamen Schreibbekannten, noch aus den Anfangszeiten. Da war schnell ein Termin zum Quatschen und Essen abgemacht.
Unsere erste Idee des Vortrags verwarfen wir wieder, als dieser einfach nicht starten wollte und besuchten stattdessen „Die häufigsten Fehler auf der ersten Seite“, die von einem Literaturkritiker gehalten wurde. Obwohl Vieles davon sehr basic gewesen ist, war es stellenweise überraschend und amüsant, was Autoren sich zu Beginn ihrer Bücher einfallen lassen und was man davon lieber vermeiden sollte.
Das darauffolgende Gespräch mit Jenna war wunderbar. Ich kann aus tiefster Seele beteuern, dass das eine liebe und wunderbar kreativschaffende Autorin ist, die obendrein auch noch sehr lustig und sympathisch ist. Wenn man über die Anfangszeiten des eigenen Schreibens quatscht und Buchreihen verfliegt die Zeit nur so.
War dann auch so. Plötzlich war es nachmittags und wir hatten eine Handvoll unserer Veranstaltungen verpasst.Unter anderem auch „Wie vernetze ich mich in der Bücherwelt?“ mit Christian Milkus und Jasmin Zipperling. Bei Nachfrage hat mir letztere ihre Notizen überlassen, damit ich trotzdem noch etwas aus der Veranstaltung mitnehmen kann. (Danke nochmals dafür!)
Als Ausklang des Abends haben wir uns noch die SERAPH-Verleihung gegönnt. Dabei waren viele sehr sympathische Autorinnen und Autoren nominiert und haben gewonnen. (Außerdem wurden soviele Buchtitel genannt, die ich mir jetzt noch kaufen möchte. Die Wunschliste steigt.)
Der Ausklang des Tages war dann doch sehr schwerfällig und wir sind nur noch todmüde ins Bett gefallen. Aber umso motivierter und voller Vorfreude auf Tag zwei.

Freitag, 16. März:

In alter Frische haben wir uns dann getroffen und sind zur Lesung des SERAPH-Gewinners Michael Marrak gegangen, der aus seinem Fanatsy-Roman „Der Kanon mechanischer Seelen“ gelesen und mich sehr begeistert hat. Zusätzlich war der Autor einfach wunderbar sympathisch und hat frei von der Leber weg in seinen Roman eingeleitet. (Kurz danach konnte ich es mir also nicht nehmen lassen, das Buch zu kaufen, wie das eben immer so ist.)
Anschließend haben wir uns zu einer Diskussion von „Wie man richtig netzwerkt“ hinbegeben und vor die erste Reihe gesetzt, sodass wir zum Mitsingen und Mitklatschen bereit waren. Und hingegen vielem, was schon diskutiert worden ist, wurde das Netzwerken hier etwas weiter ausgeleuchtet: Nicht nur das Aufbauen eines Netzwerks mit Büchermenschen ist wichtig, sondern auch das mit solcher aus anderen Branchen, die trotzdem ähnliche Interesseren haben. Wunderbare Gelegenheiten bieten beispielweise Treffen der Female Future Force. Und klarer denn je wurde, dass netzwerken nicht nur großen Spaß machen kann, sondern die Diskussion über Themen, ob man mit seinem Gegenüber die Meinung nun teilt oder unterschiedliche Meinungen hat, erweitert den Horizont.
Üblich gehetzt, aber langsam erkennend, dass es schwierig wird, nicht von jder Veranstaltung etwas zu verpassen, wenn man nicht besser plant, machten wir uns dann auf den Weg zum Vortrag zu „Wie erstelle ich eine Autorenwebsite“, wo wieder einiges nützliches, aber auch vieles Bekanntes genannt wurde.
Ein kleines Highlight, das wir uns ausgerechnet hatten, sollte darauffolgen, war es dann allerdings nicht: „Antisexistische Awareness“ von Ann Wiesenthal. Das Thema war leider nur einführend, nicht vertiefend und für jemanden geeignet, der sich noch nie damit beschäftigt hat (falls das heutzutage geht) und hinterließ uns daher sehr ernüchternd. Leider kam keine Diskussion zustande, stattdessen war es schnödes Ablesen vom Text.
Die darauffolgenden Programmpunkte hingegen konnten dann doch nochmal alles aufwiegen: Endlich traf man die wunderbare Isabella, die zwar alle anderen immer mit „Kinder der Sonne“ anspricht, doch eigentlich selbst eines ist. Was für ein liebenswürdiger, lustiger Mensch, mit dem man bisher nur geschrieben hat. In real ist sie mindestens genauso großartig und klug.
Auch der Programmpunkt von „Verlage gegen rechts“ hielt, was er verspricht: Es gab eine anregende Diskussion über Bücher aus anderen Kulturen, geschrieben von Menschen verschiedenster Herkunften, über Themen, die uns sehr viel näher sind, als uns im ersten Moment scheinen mag und Themen, die uns viel fremder erscheinen, als sie es in Wirklichkeit sind. Aufgeschlossene, schlaue Menschen haben da vorn für uns diskutiert, ein Buchhändler, Verlagsmitarbeiter, Übersetzerinnen. Und so passend wurde es gesagt: „Das Fremde ist gar nicht so fremd - und gerade das lernen wir, indem wir [Geschichten aus fremden Kulturen] lesen.“
Auch die darauffolgende, nicht schlechte, aber nicht sehr inhaltvolle Diskussion zu „Genre: Romance schreiben“ konnte die Laune nicht mehr verderben. Nach der #LLC17 waren wir auf einiges in diesem Thema gefasst, aber es blieb relativ bodenständig und niemand wollte sich wegträumen, was ungemein erleichtert hat. Lediglich hinterfragungswürdig blieb, als die Nachfrage kam, was denn bei einer Lovestory nicht fehlen dürfe, wie aus der Pistole geschossen die Antwort kam: „Ein heißer Typ“. Und keiner wollte Sex-Szene sagen. Da war es lieber die Liebesszene.
Der Abschluss unseres Messetages auf dem Gelände war dann die Lesung zu „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl. Super atmosphärisch gelesen, die Zuschauer hörten wie gebannt zu – und was soll ich sagen, ich hab das Buch vorbestellt. Sie hat alles richtig gemacht.
Zu allerletzt nach einigen Irrungen durch Leipzig am Hauptbahnhof haben wir noch das Irish Pub gefunden. 9Lesen hatte zum Glück noch nicht begonnen, aber Plätze waren keine mehr da. Was wir verstanden haben, war toll geschrieben, sehr viele sympathische, schreibende Menschen waren anwesend und denjenigen zuliebe, die es schwer verstehen konnte, wurde das Mikro lauter gestellt.
Auch wenn einiges nicht geklappt hat für uns, bin ich umso gespannter auf die zweite Runde von 9lesen, die sie angekündigt haben und die es, so wie es sich anhörte, auch in Frankfurt bei der nächsten großen Buchmesse geben soll.

Die Selfie-Panne. Oder: Wenn Skepsiswerke versucht, Selfies zu machen.


Samstag, 17. März

Für mich und die liebe Laura brach der letzte Messetag an. Ausnahmsweise fühlten wir uns nicht todmüde und waren motiviert, zur Lesung von Tina zu gehen, die aus ihrem Roman „125 Tage Leben“ lesen wollte.
Das wurde leider nichts. Der Tag startete mit der Schneepanne, die sich über das Wochenende ziehen würden und leider haben wir es verpasst. Auch Kiras Interview mit Jennifer Benkau (ihr werdet wieder davon hören!) wurde etwas später am Tage angesiedelt, weil es schwer war, überhaupt das Messegelände zu erreichen.
Nichtsdestotrotz wendete sich noch alles zum Guten: Wir kamen doch noch an. Endlich wurde Halle 1 besucht, wo sich Cosplayer über Cosplayer türmten und deren Kostüme von großartig zu „mirstehtinzwischennurnochderMundoffen“ wechselte, auch wenn man nicht mehr umfallen konnte, weil es so eng war.
Und Tina hat man dann doch noch zusammen mit Isabella getroffen und konnte ein paar Minuten schnacken, bevor man weiter zum nächsten Treffen ging.
Dass Verena ein echtes Monster an Inspiration ist, wusste ich schon vorher, wurde beim Treffen aber noch sehr viel deutlicher. Auch Saskia war dabei und sie war super nett (ich hab mich sehr wichtig gefühlt, als ich ihr die Hand geschüttelt habe). Dabei haben wir noch einen kurzen Abstecher bei Anne gemacht, eine unglaublich liebenswürdige Person.
In der Kleingruppe sind wir dann durch die Hallen gewandert und was soll ich sagen? Das war eine super intensive Zeit, die super motivierend gewesen ist, wenn über Agenten, Verlage, Projekte und das LitCamp diskutiert wurde.
So sehr, dass Skepsiswerke da schon wieder Pläne schmiedet. Ihr werdet davon erfahren.
Es wurde noch eine kleine Selfie-Session gemacht, wo die Skepsiswerke-Squad sich höchstwahrscheinlich zur Unterhaltung für Vorbeilaufende gemacht hat. (Wir hatten trotzdem großen Spaß.)
Zu guter Letzt, bevor der dramatische Abschied kam, kam für den Tag noch ein Session dazu, weil dieser ja mehr aus Treffen bestanden hat als aus Input. Diesmal von dem Nornennetzwerk und der Märchenspinnerei gemacht, sollte es um starke Heldinnen in der Phantastik gehen.
Die halbe Stunde war gefühlt nicht ganz gut genutzt: Leider sehr viel Einführung zu den beiden Zusammenschlüssen, wenig Inhaltliches zum Thema der Heldinnen an sich, auch wenn über Feminismus gesprochen wurde und die Benachteiligung von Frauen in der Buchbranche.
So war es nicht der perfekteste aller Abschlüsse, aber doch war die Traurigkeit groß, als man sich verabschiedet hat.
Man war nur kurze Zeit von Büchermenschen umringt und trotzdem hat man sich so schnell eingelebt. Und ich wollte noch nicht gehen.
Ich meine, nicht nur, dass mein Zug ausgefallen ist wegen des Schnees, aber ich wollte halt nicht. Zwischen Bücherschreibenden, Lesenden, Bloggenden und allen anderen, die das gleiche lieben wie ich hatte man es sich sehr bequem gemacht. Jederzeit wieder.

Starke Frauen in der Phantastik? Das Nornennetzwerk und die Märchenspinnerei äußern sich.



Sonntag, 18. März

Wir waren leider nicht mehr da und auch Kira hatte einige Schwierigkeiten noch mit dazu zu kommen. Nichtsdestotrotz sollte man den klugen Vortrag von Mareike und Elif erwähnen, die den Zuhörenden gezeigt haben, wie wichtig es eigentlich ist, die Gesellschaft und die Politik oder Misstände von Sexismus, Klassismus etc in Büchern nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern zu diskutieren, zu hinterfragen, darauf aufmerksam zu machen. Sie haben Mut gemacht, sich zu trauen. Man soll über Rape-Fiction sprechen, denn es gibt ein gesellschaftliches Bild wider. In Jugendbüchern kann es das Bild von jungen Lesenden mitformen. Wir sind nicht unbetroffen davon, was wir lesen und sich damit herausreden zu wollen, dass man ja nur liest, weil man Spaß dran hat und sich beim Lesen nicht damit beschäftigen will, funktioniert einfach nicht mehr. Wer nichts sagt, stimmt zu oder akzeptiert wenigstens.
Ich war leider nicht dabei, hatte allerdings das Glück, mir einen Live-Stream ansehen zu können. Da schlug das Herz auch ein wenig höher, als Skepsiswerke als ein positives Beispiel hierfür genannt wurde. Ich war so geehrt. Und so unglücklich, nicht dabei gewesen zu sein.

Fazit und Erkenntnisse:

→ Realistischer planen.
Ich hab mir für jede halbe Stunde irgendeien Veranstaltung in den Stundenplan gesetzt – das ist selbstverständlich nicht sehr sinnvoll gewesen, wenn wann sollte ich von A nach B kommen? Das hatte ich nicht so richtig mit einberechnet.

→ Treffen vorher genauer absprechen.
Spontane Treffen sind eigntlich super! Aber wenn man manche Veranstaltungen besuchen will, die einem wichtig sind und andere eigentlich eher egal sind, sollte man das genauer im Kopf haben und entsprechend planen. So nimmt man von den Treffen mit den Menschen dort mehr mit und von den Diskussionen und Vorträgen, die gegeben werden, auch noch.

→ Vorher einkaufen gehen.
Hatte ich mir vorgenommen, dachte dann aber „Scheiß drauf“. Tja, jetzt habe ich auf der Messe verhältnismäßig wenig Geld für Bücher gelassen, aber ziemlich viel für Essen (weil ich auch noch so furchtbar verfressen bin.)

→ Themenbasiertere Vorträge/Diskussionen/Ähnliches besuchen, weniger bereits bekanntes, vermeintlich Wichtiges.
Was Büchermachen angeht, habe ich wenig Neues erfahren. Das meiste kratzte nur an der Oberfläche, was für die breite Masse vielleicht ausreichend ist, mich allerdings häufig etwas enttäuscht zurückgelassen hat. Wahrscheinlich eben auch, weil ich nicht die Zielgruppe war. Deswegen erscheint es sinnvoller, lieber themenbasierte Debatten und Vorträge anzuhören und daraus etwas für mich mitzunehmen. Selten werde ich wieder die Chance haben, einen Experten zum Thema vor mir zu haben und Fragen zu stellen.

Alles in allem war die Buchmesse nicht genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe, ja – sie war noch um einiges überwältigender. Noch immer kann ich nicht alles überblicken, was ich gelernt habe, was ich gesehen habe, wen ich getroffen habe. Aber bereits jetzt fiebere ich auf das nächste Mal Leipzig hin, darauf, wieder in der Glashalle zu stehen, umringt von den coolen Cosplayern und Büchermenschen. Mal sehen, wen man dann kennenlernt.

Bis dahin

Alisha

Post Comment
Kommentar veröffentlichen