Donald Trump, Waffengewalt und warum tausende Schüler mehr verstehen als er

Sonntag, 11. März 2018
Donald Trump ist, nach der Massenschießerei am 14. Februar 2018 in Parkland, auf die glorreiche Idee gekommen, Lehrer an Schulen bewaffnen, um Sicherheit zu gewährleisten. Und zeigt dabei ein weiteres Mal, dass er das grundsätzliche Problem des freien Waffenerwerbs einfach nicht in seinen Kopf kriegt.


Manchmal kriegt man das Gefühl, Donald Trump hätte nicht verstanden, worum es den Schülern geht, die am 21. Februar in D.C. die Schule schwänzen, um protestieren zu gehen. Dabei sind ihre Schilder mit STOP THE GUN-VIOLENCE und ihre bemalten Hände und Arme mit Enough Is Enough und Safer Schools doch vielsagend genug, damit der Präsident der Vereinigten Staaten endlich erkennt, dass es ein Problem mit den Waffengesetzen in den USA gibt.

Stattdessen hat Donald Trump eine neue Idee: Seit der Massenschießerei am 14. Februar 2018 (dem 19. Vorfall mit Schusswaffen, allein in 2018), bei dem 17 Menschen ums Leben kamen, ist die Rede davon, Lehrer zu bewaffnen, da Schüler in größerer Gefahr seien, wenn Schulen weiterhin „Gun-Free-Zones“ bleiben. Aber verliert er dabei nicht den Punkt aus den Augen?


Wird dabei nicht aus den Augen verloren, dass seit 2014 die Anzahl der Menschen, die in Massenschießereien umkommen, stark ansteigen? Dass allein 2017 circa 3300 Teenager im Alter von 12-17 Jahren durch Schusswaffen verletzt und getötet wurden – 1000 mehr als noch 2014?

Offenbar ist für den Präsidenten der USA Gewalt mit Gegengewalt zu bekämpfen – Immerhin hätte ein Lehrer ja auch einfach auf den Attentäter schießen und ihn ermorden können, dann wäre der ganze Spuk sehr viel schneller vorbei gewesen. Steckt sich doch demnächst am besten jeder Lehrer in den Vereinigten Staaten eine Halbautomatische an den Gürtel, dann spuren vielleicht auch mal die Schüler. Und wenn nicht, dann kann ja auch mal in die Decke geschossen werden wie damals im 19. Jahrhundert, als man die Schüler noch verprügelte, damit sie gehorsam werden. Diese vermeintliche Sicherheit, die Waffen in Schulen versprechen, hat absolut nichts mit dieser zu tun. Waffenbesitz in Schulen bedeutet Angst, keine Sicherheit. Wer eine Waffe trägt, ist in seiner Lösungssuche gewaltbereiter als ein Jemand, der sich ohne eine Pistole überlegen muss, wie er für Sicherheit sorgt.

Das muss sich für Donald Trump eindeutig für sinnvoll anhören, anders kann man es nicht erklären. Anders ist auch nicht zu erklären, dass er sich offenbar – statt sich tatsächlich mit den wirklich wichtigen Problemen zu beschäftigen, mit denen sich jetzt Schüler auf Straßen stellen und gegen diese demonstrieren – lieber mit dem Kongress herumstreitet, um die eventuell in Kraft tretende Executive Order durchzusetzen – Lehrer zu bewaffnen – statt sich zu fragen, warum genau hier das Problem liegt. Denn die Executive Order, die es verlangt, um die „Gun-Free-Zones“ in Schulen aufzuheben, kann Donald Trump durchsetzen und der Kongress kann sie enthebeln, woraus ein ewiger Streit in der Politik resultiert – Nur absolut keine Lösung für das Problem, das herrscht.

Die Vereinigten Staaten von Amerika brauchen nicht mehr Waffen. Sie brauchen endlich Reformen und Gesetze, die den Waffenerwerb nicht für jeden zugänglich machen. Nur so ist zu erwarten, dass die Massenschießereien endlich weniger werden, dass Schulen sicherer werden und Schüler in ihren Klassenzimmern keine Angst mehr haben müssen.

Wenigstens die Schüler scheinen das verstanden zu haben. Sie wollen ihre Schulen beschützen, weil der Kongress dies nicht geschafft hat. Und zwar nicht mit noch mehr Pistolen an Gürteln, sondern mit Kontrolle über genau diesen.

Jedediah Grady von der Montgomery Blair High School in Silver Spring in Maryland sagt, dass protestieren keine sofortige Veränderung herbeiführen wird, aber dass es nicht um Veränderung geht.

Es geht darum, dass in den Vereinigten Staaten offenbar jeder mitbekommen hat, dass die derzeitigen Waffen“gesetze“ bald untragbar sind – Jeder bis auf diejenigen, die tatsächlich etwas verändern könnten.

„Es ist lächerlich, dass wir [in diesem Bereich] so desensiblisiert sind“, sagt eine weitere Schülerin von der Northwood High School (ebenfalls Maryland) und spricht damit für den Kernpunkt der Proteste: Schüler können keine Gesetze ändern. Schüler können nicht dafür sorgen, dass Donald Trump Veränderungen herbeiführt. Aber sie können Platz in den Köpfen der Menschen machen, die sich immer noch hinter einen Mann stellen, der noch mehr Waffen an Schulen bringen will und damit weismachen will, dass dies eine wahre Besserung beinhaltet.

Und wenn kein Erwachsener dies genug einsieht, aufsteht und sich dafür stark macht, dass Gewalt nicht mit Gegengewalt gelöst werden kann, spricht das dafür, wo die Vereinigten Staaten heute mit ihrer Einsicht stehen.
Wenigstens zeigen die engagierten Schüler und Studenten in ihren Protesten, dass es noch Hoffnung gibt – für die Zukunft. Und vielleicht werden sie erfolgreich sein, eine Veränderung herbeizuführen. Wenn schon nicht auf dem Papier, dann doch wenigstens in den Köpfen der Menschen. Und zeigen damit mehr Fortschritt als Donald Trump es mit seiner neuen Reformidee (und so gut wie allen anderen) zeigen konnte.

Laura




Anhang 1: *In den USA gibt es inzwischen The Pledge, ein Programm, an denen Schüler, 
Lehrer und ganze Schulen teilnehmen können.  In diesen wird über Waffengewalt aufgeklärt. 

Jedes Jahr gibt es einen DAY OF NATIONAL CONCERN. 
Bereits über 10 Millionen Schüler/Studenten und auch Schulen haben „The Pledge“ unterschrieben. 
Die Broschüre kann man hier lesen: Broschüre

Anhang 2: Dieser Beitrag war ein Kommentar in meinem journalistischen Portfolio. Für den 
Zweck des Beitrages wurde er überarbeitet.
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