[GESELLSCHAFT] Antwort auf den Meinungsbeitrag „Ist es wirklich wünschenswert, dass Models dick sein dürfen?“

Freitag, 23. Februar 2018
Antwort auf den Meinungsbeitrag von Inga Griese, vom 02. Dezember 2017, Ist es wirklich wünschenswert, dass Models dick sein dürfen?


Damit ich gleich die Eingangsfrage beantworte, die hier gestellt wird: Ja, es ist wünschenswert, dass Models dick sein dürfen. Warum?

Karl Lagerfeld sagte einmal, dass Models etwas Unerreichbares sein sollen und deswegen solche Extreme sind. Sie sollen was Besonderes sein, die Frauen (oder auch Männer) sollen sich nicht mit ihnen identifizieren.
Fakt ist: Das war mal so. In gewissen Teilen ist das immer noch so. Ich weiß nicht, wie der gute Karl heute dazu steht, aber die Zeiten sind anders. Junge Mädchen, Frauen, egal welchen Alters, schauen sich Models an und wollen sich mit ihnen identifzieren, sie tun es bereits. Mit diesen Frauen, die für sie wie Übermenschen wirken, Kendall Jenner, Bella Hadid, Gigi Hadid, Candice Swanepoel und wie sie nicht alle heißen. Mit Schauspieler/innen, die alle ihre toned Abs haben und sexy lange, schlanke Beine haben.
Ich wage zu behaupten, dass es kaum Frauen gibt, die nicht auch gern ein bisschen die Maße dieser Frauen hätten. 
Früher war das in Ordnung – Da hat man akzeptiert, dass das offenbar solche „Über“menschen sind (sind sie übrigens nicht. So wie der Bäcker morgens aufsteht zum Brot backen, müssen die ihren Sport und ihre gesunde Ernährung einhalten, um Geld zu verdienen). Aber in Zeiten der schnellen Medien und retuschierten Fotos auf Magazincover, in Katalogen und sogar auf Instagramfotos, ist das nicht mehr so. Überall sind diese schönen Frauen. Keine Cellulite, keine Röllchen. Pickel? Kann man das essen?

Und man identifiziert sich mit ihnen. Man will es. Sie sind so wunderschön. So unfassbar begehrt. Alle schauen zu ihnen auf. Schlanke Frauen können (dem Mythos nach zumindest) alles tragen. Sie werden gesehen. Respektiert. Eine schlanke Frau zu sein ist ein Privileg.

Bullshit.

Deswegen sollte es Plus-Size-Models geben. Damit keine Frau jemals ein Model sieht und denken muss „so werde ich niemals aussehen“. Oder: „Weil ich Größe 44 trage, bin ich nicht sexy. Ich muss abnehmen.“
Plus-Size-Models sollte es geben, damit jede Frau, egal welche Konfektionsgröße sie trägt, erkennt, dass sie sehr wohl sexy sein kann. Dass auch ihre Körperform es wert ist, einen Platz auf dem Laufsteg zu haben. Dass es absolut scheißegal ist, welche Konfektionsgröße man hat, um ein Model zu sein. Deswegen ist dieser ganze Beitrag einfach der größte Bullshit, den ich jemals gelesen habe. Das soll kein Fatshaming sein? Für mich hört es sich trotzdem danach an. Als Model solltest du deinen Job beherrschen, du solltest laufen können, hübsch sein gehört auch dazu. Irgendwie special eben, dass du dich heraushebst. Und da interessiert keinen, ob man nun deine Wangenknochen sieht oder eben nicht. (Damit ich das anmerke: Ich trage eine Konfektionsgröße 34 und man sieht meine Wangenknochen nicht. Ich muss wohl ein Alien sein.)




Ashley Graham ist so ein erfolgreiches Model, weil sie so gut in ihrem Job ist. Weil sie eine von vielen Frauen auf dieser Welt ist, die eben nicht Hosengröße 34 trägt. Weil sie akzeptiert hat, dass sie nicht den Forderungen, die viele an eine „perfekte“ Frau stellen, entsprechen muss, sondern lediglich ihren eigenen: Sich gut fühlen. Seinen Körper akzeptieren
Es geht mit Plus-Size-Models gar nicht darum, dass jetzt jede Frau anfängt, wie wild zu essen, sondern, dass Frauen sich in Plus-Size-Models wiederfinden. Erkennen, dass sie nicht falsch sind, wie sie aussehen, sondern auch das Recht darauf haben, sich gut genug und schön zu fühlen.Auch in f*cking Hot-Pants.

Liebe Inga, wenn dich die Frauen mit Konfektionsgröße 44 im Disneyland stören, wie wäre es dann, wenn du einfach wegguckst? Zwingt dich ja keiner, dass du a) eine 44 trägst und b), dass du sie ansiehst. Dann dreh dich halt weg und guck dir deine eigenen Beine an, bevor du dich an den von anderen störst. So lange die Frau sich wohl fühlt, darf sie auch präsentiert werden und sich selbst präsentieren.

Um das am Ende dieses Beitrages klarzustellen: Der einzige Frauenkörper, über den Frau sich eine Meinung bilden sollte, ist ihr eigener. Gleiches gilt für Männer. Wann hat das angefangen, dass Frauen über den Körper anderer Frauen einen Meinungsbeitrag schreiben durften? Und dann noch nicht mal in die gleiche „Größe“ fallen. Wenn ein Plus-Size-Model selbst eine Meinung zu Plus-Size-Models kundtut, dann seh ich das ein, aber soll es neuerdings gut sein, dass jede dahergelaufene Frau, die ihren Shit mit ihrem Körper nicht zusammenkriegt, am Körper und deren Präsenz anderer Frauen zweifeln darf?

Liebe Gesellschaft, könnten wir das bitte lassen? Lasst uns alle aussehen, wie wir aussehen wollen. Und was ändern, was wir ändern wollen. Weil wir es selbst wollen. Nicht, weil jemand anders findet, das sollte so nicht sein. Mir egal, ob du Größe 34 oder Größe 44 trägst. Dein Körper ist dein Tempel. Mach's dir da drin bequem.


Habt ein wundervolles Weihnachtsfest. Esst, worauf ihr Bock habt. Genießt jeden Bissen. Jeder, der Fragen stellt von „Ist das nicht ein bisschen viel? oder etwa das Gefühl hat, die paar Kilo mehr ansprechen zu müssen, der wird auch gegessen. Macht euch gut Knoblauch und Zwiebeln dazu. Menschenfleisch auf kleiner Flamme garen, dann bleibt es zart.

Alles, alles aus Liebe. 
Laura ♥
1 Kommentar on "[GESELLSCHAFT] Antwort auf den Meinungsbeitrag „Ist es wirklich wünschenswert, dass Models dick sein dürfen?“"
  1. Hey Laura,

    der Artikel gefällt mir wirklich gut und ich würde das so unterschreiben. Ich kenne den Beitrag nicht, auf den du dich beziehst. Ich habe allerdings auch nicht besonders Lust mir den noch anzusehen, denn was du darüber schreibst reicht mir schon.

    Du bringst es genau auf den Punkt, der Körper ist ein Tempel und man möge es sich darin so bequem wie möglich machen :) Ich höre zur Zeit auch immer mal wieder, dass Übergewicht gar nicht so ungesund sei, wie der allgemeine (gesellschaftliche) Konsens vorsieht. Leider habe ich dazu noch relativ wenig Hintergrundinfos, aber ich bin motiviert, das mal mehr zu recherchieren.

    Viele liebe Grüße
    Melli

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