[BUCHREZENSION] Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

Sonntag, 10. Dezember 2017
Inhalt:
Obwohl Simon und Blue in der gleichen Stadt leben und die gleiche Schule besuchen und für einander die einzigen sind, mit denen sie offen darüber sprechen, dass sie schwul sind, unterhalten sie sich nur in E-Mails unter falschem Namen und haben sich in Echt noch nie getroffen.
Das Geheimnis, das Simon bis zum Start der Geschichte aus seiner sexuellen Orientierung gemacht hat, droht aufzufliegen, als er aus Unachtsamkeit vergisst, sich aus seinem Mailfach auszuloggen und eine vertraute Nachricht zwischen den beiden Jungen in falsche Hände gerät.
Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, weiß Simon vor allem eines: Falls das rauskommen wird, würde er nicht nur öffentlich und ohne es zu wollen, geoutet werden – er würde auch Blue verlieren.



____________________________________
Buch: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda
Autorin: Becky Albertalli
Verlag: Balzer + Bray
Taschenbuch: 336 Seiten 
Sprache: Englisch
Preis: 7.99 €
___________________________________

It is definitely annoying that straight (and white, for that matter) is the default, and that the only people who have to think about their identity are the ones who don't fit that mold. Straigt people really should have to come out, and the more awkward it is, the better.
(Seite 147)

Ich hab das Buch das erste Mal im Mai gelesen. Ich war besonders auf der Suche nach diversen Büchern, nicht mal zwangsweise Jungendbüchern, weil es eigentlich nicht per se mein Genre ist. Mit in der Bestellung lagen noch „History is all you left me“ (von Adam Silvera) und „Die Schwimmbadbibliothek“ (von Alan Hollinghurst).
Ich hab „Die Schwimmbadbibliothek“ nicht beenden können, weil es wirklich grauenvoll war.
Bei „Simon vs The Homo-Sapiens-Agenda“ war ich dann hoffnungsvoller, dass eventuell etwas Besseres auf mich zukäme.
Und ich hatte Glück.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Simon geschrieben. Simon ist ein Siebzehnjähriger, der Spaß an Darstellendem Spiel hat und auf Oreos steht. Achja, und auf Blue, seinen E-Mail-Partner.
Im Buch wechselt die Erzählung sich mit den E-Mails zwischen Blue und Simon ab, womit man ebenfalls die Chance bekommt, Blue näher kennen zu lernen und den Prozess, wie er und Simon sich annähern und verlieben, miterleben kann.


I remember exactly how it felt to see that first message from him in my in-box. It was a little bit surreal. He wanted to know about me. For the next few days at school after that, it felt like I was a character in a movie. I could almost imagine a close-up of my face, projected wide-screen.
It's strange, because in reality, I'm not the leading guy. Maybe I'm the best friend.
I guess I didn't really think of myself as interesting until I was interesting to Blue. So I can't tell him. 
I'd rather not lose him.
(Seite 19)


Was für mich den Stil besonders ausgezeichnet hat, war, dass er eins zu eins Simon abgebildet hat.
Simon hat seine Geschichte erzählt; man hat während des Lesens praktisch seine Stimme im Ohr gehabt, genau die gleiche, die man gehört hat, während man seine wörtliche Rede liest. Der jugendliche, einfach gehaltene, teils ironisch-humoristische Stil bildete ihn genau ab und machte es sehr leicht, ihn besser kennen zu lernen, ohne dass lange Abhandlungen geschrieben und unnötige Selbsteinschätzungen Simons stattfinden mussten.


But I'm tired of coming out. All I ever do is come out.
I try not to change, but I keep changing , in all these tiny ways. I get a girlfriend. I have a beer. And every freaking time, I have to reintroduce myself to the universe all over again.

(Seite 56)


Die Figuren waren in diesem Buch schlichtweg unglaublich.
Der Cast, den man mit auf den Weg kriegt, ist nicht gerade klein. Simon hat zwei Schwestern, Eltern, drei enge Freunde, einen Hund, Klassenkameraden und Freunde von Klassenkameraden und außerdem noch Lehrer.
Die haben alle noch Namen und es gibt sie in allen Varianten.
Es existierte aber keine einzige Stelle im Buch, in der ich das Gefühl hatte, ich würde jemand mit jemand anderen verwechseln. Dafür blieb einfach kein Raum, denn dank verschiedenster Persönlichkeiten, die alle ihre Marotten haben, blieb jede Haupt- und Nebenfigur auf ihre Art in meinem Gedächtnis.
Besonders für mich hervorzuheben, ist die Familie Spier. Wo in vielen Geschichten die Protagonisten eine schlechte Beziehung zu ihren Eltern/Geschwistern/Cousins oder Ähnliches haben, was ihr Leben nachhaltig verändert hat, sah es bei Simon anders aus. Seine Eltern sind wunderbare Menschen, die ihre Fehler haben, ebenso wie seine beiden Schwestern. (Ich habe sowohl Nora als auch Alice sehr geliebt, wenn sie nicht sogar zu meinen Lieblingsfiguren zählten. Neben vielen anderen, wohlgemerkt.)
Becky Albertalli schafft eine Vielfalt an Identifikationsmöglichkeiten mit diversen Figuren.


“Say something supportive. I don't know. Or awkwardly hold his hand like I did. Anything.”
Nick and I look at each other.
“I'm not holding your hand,” I tell him, smiling a little.
“All right” - he nods - “but know that I would.”

(Seite 177)


Die Handlung war für mich passend für das Buch. Ich bin eigentlich nicht der Typ für Teenager- oder Highschool-Dramen. Davon habe ich bereits genug gelesen. Obwohl es bekannte Dramen wie diese ebenfalls im Buch gab, haben sie mich hier nicht viel gestört: Ich war froh darüber, dass es Simon als Erzähler gab, durch den das Geschehene angenehm erzählt und überwiegend nicht überspitzt dramatisch war. Nicht alle Konflikte wurden am Ende aufgelöst, was mich nur besonders im Fall von Leah, seiner besten Freundin, gestört hat. Ansonsten konnte ich damit leben.
Neben Blues E-Mails und dem Blackmailing durch Martin gab es noch Entwicklungen in der Freundschaftsgruppe und seine große Liebe zum Schauspiel wurde verdeutlicht.
Auch dafür war ich dankbar, wenn ich an andere Jugendbücher denke: Simon hatte Freunde und er hatte Hobbies und wie cool war es bitte, dass er immer seinen iPod dabei hat und gerne Musik hört?
Ja, Simon ist schwul und ja, Simon hat auch Probleme damit gehabt, dass er nicht wusste, wie er sein Coming-Out gestalten sollte, als er beschlossen hat, eins zu machen. Aber er war trotzdem ein normaler siebzehnjähriger Teenager, der sich mit Essays herumschlagen musste und nach seinem Geburtstag ordentlich eins vergurkt hat.

Bevor ich diese Rezension geschrieben habe, habe ich das Buch nochmal rereaden wollen. Leider habe ich es nicht ganz geschafft (ich habe gestern erst richtig angefangen), aber lasst es euch gesagt sein: Ich habe gestern 150 Seiten gelesen, nachdem ich um 18 Uhr am Abend zu Hause war.
Es hat mir den Abend versüßt und mich sehr glücklich gemacht. Ich werde das Buch die Tage nochmal zu Ende lesen. Auch beim zweiten Lesen liebe ich es sehr und liebe Simon und Blue und Leah und Abby und Nick und Martin und die vielen anderen.

Deswegen lege ich es euch wärmstens ans Herz. Selbst wenn ihr per se keine Jugendbuchleser seid, empfehle ich euch, dem Buch eine Chance zu geben. Einfach, um die authentische Sicht eines Siebzehnjährigen zu lesen, der mir als Zweiundzwanzigjährigen gestern um 23 Uhr klargemacht hat:
Wie bescheuert ist es eigentlich, zu jemandem hingehen zu müssen und zu sagen:
Ich bin schwul/lesbisch/bi/Ähnliches“, wenn ich als jemand, der hetero ist, nichts dergleichen tun muss?
Wir sollten uns alle outen müssen.


Alisha


B E W E R T U N G

TIEFE: 4/5 Punkte
CHARAKTERE: 5/5 Punkte
KONZEPTION: 4/5 Punkte
GESAMT: 13/15 Punkten
Kaufempfehlung: Definitiv!


Kommentare on "[BUCHREZENSION] Simon vs. the Homo Sapiens Agenda"
  1. liebe alisha,
    tolle rezension hast du da verfasst - ich lese immer mal zwischendurch einen jugendroman, und der klingt nach einem den ich lesen würde - danke für den tipp! <3

    liebste grüße,
    katharina von SJMB // https://sjmb.at/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, ich freue mich riesig, dass dir die Rezension das Buch schmackhaft machen konnte. ♥

      Liebste Grüße zurück.

      Löschen