[ALLTAG] Brauch ich das?

Sonntag, 3. Dezember 2017
 Ich esse seit zwei Jahren weder Fisch noch Fleisch.

Wenn ich versuchen sollte, zu erklären, wie ich auf die Idee gekommen bin, dann ist das nicht sehr hochtrabend und es steckte kein allgemeinnütziger Gedanke dahinter: Ich finde Ferkel niedlich. Wenn man durchs Internet surft, gibt es superviele niedliche Videos von kleinen Schweinchen, wo es einem bei Regenwetter prompt besser geht, wenn man zusieht, wie sie durch einen Garten rennen.
Mir erschien das völlig logisch, dass ich kein Fleisch mehr essen will, schließlich werden kleine Ferkel groß und auch dann sollte man sie nicht essen. (Gleiches gilt übrigens auch für jedes andere Tier, das man schlachtet und dann verkauft, ob es nun „glücklich“ war oder nicht.)
Weil ich Tiere sehr liebe und erschreckenderweise auch noch auf Bilder von Tierversuchen stieß, wurden anschließend alle Produkte aus meinem Besitz verbannt, bei denen Tierversuche angewendet worden waren. Keine Tiere essen, aber das, womit ich mir das Gesicht einschmiere, an ihnen zu testen, ist, aus meiner Sicht, keine besonders durchdachte Mischung.

Man sprach mich kurz danach an, warum ich denn Tiere schütze, aber nichts dagegen hätte, bei diversen Kleidungssgeschäften die neuesten Kollektionen zu kaufen, dabei ist überall bekannt, dass Kinder in Fabriken sitzen, hart unter schlechtesten Umständen arbeiten und kein Geld verdienen.
Was meine Antwort war, weiß ich nicht mehr, aber sie war nicht nett. Wahrscheinlich pamig und sehr abwehrend. Ich weiß auch jetzt nicht, was man darauf antworten soll. Ich fühlte mich ungerecht behandelt und vielleicht war es auch nicht ganz gerecht.

Ich habe danach sehr lange nicht mehr über die Frage nachgedacht, warum ich denn Tiere schützen wollte, aber weiterhin Klamotten kaufte, die unter denkbar schlimmsten Umständen hergestellt wurden.
Ich kaufte Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winterkollektionen was Jacken, Hosen und Shirts angeht. Im selben Jahr vier Jacken, vier Hosen, mehr als vier T-Shirts und Pullover. Und Vieles mehr. Ihr wisst schon. Ich muss nicht fortsetzen.

Dann habe ich ein interessantes Gespräch geführt: Meine Schwester wollte in ihrer Hausarbeit unter anderem darüber schreiben, inwiefern bei billiger Textilherstellung die Umwelt, genauer: die Meere, verschmutzt werden. Die Abfallstoffe werden ins Meer geleitet und verseuchen es. Keiner weiß, wie viele Chemikalien und toxische Stoffe damit weiter verbreitet werden. Hinzukommt: Mitarbeiter in den Firmen arbeiten bis zu vierzehn Stunden am Stück, dürfen nicht auf die Toilette gehen und arbeiten ohne Schutzkleidung.

Wahrscheinlich habt ihr das schon unendlich viele Male gehört. Aber man sollte es immer wieder sagen. Und sich dabei fragen: Möchte ich das unterstützen? Möchte ich das kaufen? Ich bezahle vierzig Euro für eine Hose (die Hosen, die ich habe, haben alle keine vierzig Euro gekostet, aber es gibt viele in dem Preissegment) die unter übelsten Umständen für Mensch und Umwelt hergestellt worden sind. Was dadrin ist – will ich das wissen?

Beispielsweise durch Berlin durchgehend: Überall hängen Plakate von den neuesten Klamotten, vom duftensten Kaffee, vom ultraguten Computer, der mittlerweile fast soviel kann wie unser Gehirn selbst. Wenn wir bis zum Datum X ein neues Auto anschaffen, gibt’s eine Null-Prozent-Finanzierung.
Ich kann hier noch viele andere Beispiele finden, aber wir wissen alle, wovon ich rede.

Ich will hier überhaupt keinem sagen, was er machen oder kaufen soll, just saying. Das sind alles selbst meine Gedankengänge. Will ich das? Muss das so sein? Und, die wichtigste Frage:
Brauch ich das?




Ja, vielleicht schon. Sind wir mal ehrlich, die Sachen, die wir kaufen, sind es Handtaschen, PCs, Klamotten, Handys, selbst Möbelstücke: das meiste, was wir haben, ist darauf ausgelegt, eine kurze Lebensdauer zu haben. Damit wir es schnell neu kaufen. Der Kreis vom Wegwerfen und Neu-Anschaffen ist scheinbar schier unendlich. Es gibt Ideen, Dinge neu zu kaufen, bevor alte überhaupt kaputt sind, damit, falls sie denn kaputt gehen, sofort etwas Neues da ist.

Und wenn etwas heruntergesetzt ist, dann hat man doch praktisch einen Vorteil, wenn man es früher kauft oder? So oder so: Eines Tages wird man es brauchen, was man da gekauft hat. Ganz bestimmt.

Ich glaube das nicht (mehr). Ich hab mich ein bisschen selbst beobachtet, was ich von den Dingen, die ich besitze, auch wirklich benutze. Das Ergebnis war recht bis stark ernüchternd. Meine Schränke sind fast geplatzt. (Mittlerweile habe ich die Kleidung aussortiert und das, was ich nicht mehr brauche, gespendet. Trotzdem, denke ich, dass ich davon immer noch nicht alles genug anziehe.)
Ich hab soviele Bücher, die ich noch nicht gelesen habe und trotzdem hab ich im Rausch immer wieder neue gekauft. (Ich vermisse es, Bücher zu kaufen.) Es hat mich nicht dazu gebracht, dass ich mehr lese, ich habe dieses Jahr nicht mal 30 Bücher geschafft.
Ich hab zuviele Notizbücher, bei denen ich noch nicht sicher bin, was ich damit alles anstellen will. (Bei der Buch Berlin: ich hab schon wieder ein Neues gekauft. Nicht gut.) Sie sind ja doch nur dazu da, um mich zum Schreiben zu bringen. Hat auch nicht richtig geklappt: Das Projekt steckt im Scheißhaufen und klemmt fest.

Ich gebe immer noch Unmengen (ich betone U-N-M-E-N-G-E-N) Geld für Essen (und dafür ganz besonders :D) und Getränke unterwegs aus. Selbstverständlich, weil ich Hunger und Durst habe, aber vor allem aus Langeweile.

Insgesamt fiel mir auf, wieviel ich eigentlich aus Langeweile kaufte. Weil ich noch Zeit habe, ab in Buchladen und zack – drei Bücher gekauft, dabei ist der SuB quasi gegen unendlich. Ich hab soviele gute Bücher, die ich noch lesen will, aber das Glücksgefühl an der Kasse war nicht mehr frisch, es musste was Neues her.

(Wer hier gerne Bücher kauft oder andere Sachen: Fühlt euch bitte nicht angegriffen, ich schildere nur meine Sicht. Es ist vielleicht aber eine Idee zum Nachdenken, wenn ihr es so aufgreifen wollte. Wenn ihr es nicht aufgreifen wollt – auch gut.)

Mir passiert es mittlerweile aber, dass ich durch Läden gehe und häufig nur noch denke: Brauch ich nicht, brauch ich nicht, brauche ich auch nicht (hätte ich aber ZU GERN!), aber sollte ich nicht kaufen.

Trotzdem sind meine Reize immer noch geflutet von den ganzen Werbeanzeigen um mich herum. Ich kaufe immer noch Sachen, die nicht notwendig sind – besonders Getränke und oh ja, Essen. Es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das in den Griff kriege und mein Bewusstsein dafür geschärft genug ist – dass ich, auch nach einem langen Tag, noch eine halbe Stunde warten kann und dass mich ein Buttercroissont nicht satt machen wird bis nach Hause zum Mittagessen.

Aber bald ist 2018. Ich bin ein großer Verfechter von Neustarts mit besonderen Daten: Entweder sind es Montage oder Monatsbeginne oder der Wechsel der Arbeitsstelle, ein Umzug, weiß der Kuckuck. Aber so ein Jahreswechsel hat es in sich, um sich zu verändern (bei mir klappte das meistens gut), besonders wenn ich das obrige um Kopf behalte. Umweltverschmutzung, Kinderarbeit, Konsum bis ins Get-No.

Einen kleinen Beitrag leisten ist ja schon:

Meinen Mehrweg-Thermobecher mit mir rumtragen. Immer eine Wasserflasche dabei haben, vielleicht auch was zum Essen.

Fair-Trade-Kleidung kaufen, wenn ich wirklich etwas brauche (die wirklich teuer ist. Falls das für euch interessant ist: ein guter Effekt ist auch, Kleidung nur zu kaufen, wenn sie notwendig ist, weil man zum Beispiel ein Loch nicht mehr nähen kann. Selbst wenn man dann günstigere Kleidung kauft, hat es noch Effekt). Oder auch: Kleider gebraucht kaufen. Die beste Jacke, die ich habe, habe ich von jemand anderem geschenkt bekommen, weil er sie selbst nicht mehr getragen hat.
Ohnehin: Meine Kleidung pflegen, damit sie lange hält (siehe vorher: ganz machen und nicht wegschmeißen, wenn es geht!).
Der Frage beim Kleiderkauf nicht müde werden: Brauche ich das? Werde ich es mehr als 20x tragen? Kann ich mir vorstellen, dieses Kleidungsstück oft anzuziehen? Gefällt es mir genug? Will ich es aus Kauflust kaufen oder weil es notwendig ist?

Ich will auch immer eine Tüte mit mir rumtragen. (Mittlerweile kosten sie ja auch überall was. Da spart man noch Geld. :D)

Beim Kauf von Essen, aber auch bei Duschgelen, Shampoos und Ähnlichem: Sind die Kekse in der Kekspackung nochmal mit Plastik umwickelt, dann gibt es auch eine andere Sorte, die ich kaufen kann. Ist der Tiegel meiner Tagescreme recylebar? Ich sollte wenigstens mal nachfragen. Auch spannend: Kann ich meine Cremes nicht selbst herstellen? Es gibt jedenfalls einige Rezepte, das sollte ich 2018 definitiv mal ausprobieren.

Und beim Bücherkauf: Bevor ich ein Buch kaufe, will ich erst fünf gelesen haben. Vielleicht schaffe ich es dann durch mein Bücherregal.

Vielleicht schaffe ich es auch, vegan zu leben, das wäre auch was.

Ich will aber auch weiter meine guilty-pleasure die FUNKO-Pop-Figuren, die ich sammle, haben, auch wenn ich mir nicht jeden Monat eine neue kaufen sollte. (Guilty-pleasures sollten wir alle haben. :D)

Mich immer wieder fragen, egal, wann ich etwas kaufe: Brauche ich das?

Es geht zuletzt nicht nur um Konsum, der einen völlig kirre machen kann, sondern auch um die Umwelt: Wenn man raussieht und die derzeit nackten Zweige sieht, verschattet, wenn die Sonne in ihren Rücken scheint und man von unten hochsieht, der Kontrast von ihnen im blauen Himmel: Mag man das nicht schützen? Sieht das nicht zu schön aus, um es leichtfertig aufs Spiel zu setzen?

2018 hält da was für mich bereit. Selbstverständlich werde ich mich da schon 2017 bemühen, aber bis das neue Jahr anbricht, werde ich mich noch viel belesen und hoffentlich noch so einiges herausfinden.

Wie sieht's mit eurem 2018 aus? Habt ihr euch auch schon umweltfreundliche Ziele gesetzt?


Alles Liebe, Alisha ♥
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