[BUCHREZENSION] Diabolic - Vom Zorn geküsst vo S.J.Kincaid

Sonntag, 12. November 2017
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Buch: Diabolic – Vom Zorn geküsst (Originaltitel: „The Diabolic“)
Autor*in: S.J. Kincaid
Verlag: Arena Verlag
Seitenzahl: 481
Preis: 18,99 Euro
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Inhalt:

Nemesis ist eine Diabolic. Ihr Leben dient nur einem einzigen Zweck: Sidonia zu beschützen, die die Tochter des Senators von Impyrean ist.
Als der Kaiser Sidonia an den Hof holen will, um dem rebellischen Verhalten des Vaters Einhalt zu gebieten, schlüpft Nemesis zum Schutz ihrer Herrin in ihre Rolle und gerät so in den Strudel aus Intrigen, Verschwörungen und Machtspielen, die am Hof lauern.
Als sie dort den wahnsinnigen Thronfolger Tyrus trifft, treffen Welten aufeinander – Sie die tödlichste Kreatur des Kosmos und er der verlachte Außenseiter, den alle unterschätzen.
Dass ausgerechnet diese beiden zusammenfinden, darf nicht sein. Denn am kaiserlichen Hofe ist Menschlichkeit eine gefährliche Schwachstelle.

Das Buch „Diabolic – Vom Zorn geküsst“ habe ich mir in einer sehr frustrierten Lesephase gekauft, in der mich Hauptfiguren aufgeregt haben – Hier ganz besonders Frauenfiguren. Meine Wahl fiel auf das Buch, da es von außen nicht nur wunderschön zu betrachten ist, sondern von innen noch mit Ranken verzierte Seiten hat. Zudem erschien mir die Thematik des Buches neu und so noch nie vorgekommen.

Wie aus der Inhaltszusammenfassung oben hervorgeht, ist Nemesis geschaffen worden, um Sidonia zu beschützen, und einzig und allen zu diesem Zweck. Dieser wichtige Ausgangspunkt ist in der Geschichte nie außer Acht geworden lassen und hat immer die wichtigste Rolle gespielt – Egal in welche Richtung sich das Buch entwickelt hat. Die Motive der Hauptfigur Nemesis waren lange Zeit und immer gefärbt von ihrer innigen Liebe, die sie für Sidonia hatte und auf die sie geprägt worden ist. Was unfassbar wichtig und großartig an diesem Buch ist.
Nemesis war über das Buch hinweg eine Figur, mit der ich mich nicht immer identifizieren konnte – Aber die dadurch unfassbar authentisch gewesen ist, weil sie sich selbst treu geblieben ist, selbst wenn einem die Handlungen, die sie vollzieht, nicht gefallen haben. Wahrscheinlich würde ich sie sogar als eine „starke Frauenfigur“ bezeichnen – Nicht nur, weil sie eisenhart und unnachgiebig sein konnte, ihre Meinung artikuliert und keine Angst vor der von anderen hatte, sondern auch, weil sie in der Lage war, zu leiden. Und weil sie immer wieder aufsteht, obwohl sie verwundet ist. Zu keinem Zeitpunkt der Geschichte hatte ich das Gefühl, sie würde nur in Selbstmitleid baden oder nur hart und arrogant zu anderen sein und sich dadurch Charakterstärke erlangen. Die wurde geschaffen, in dem sie ihren Motiven folgte – Und bis zum Schluss für sie einsteht.




Ebenso großartig war die Figur des Tyrus. Es war zu vielen Zeitpunkten der Geschichte schwer für mich, die Figur zu verstehen, da er selber Teil der Intrigen gewesen ist, die am Hofe vonstatten gegangen sind, aber das hat ihn als Figur so unberechenbar gemacht. Er ist eine durch und durch gelungene Figur gewesen, die vor allem im Genre des Fantasy-YA für mich geglänzt hat, da er durch Intelligenz interessant wurde, nicht durch gutes Aussehen.
Auch sehr gelungen war die Beziehung zwischen Nemesis und ihm – Die zu jedem Zeitpunkt in der Geschichte absolut ebenbürtig gewesen ist.

Sidonia, die ebenfalls eine wichtige Rolle in der Geschichte hatte, hat mich am Anfang etwas misstrauisch gelassen, allerdings explodiert für mich ihre Rolle im Laufe des Buches auf so großartige Weise, dass es mich zum Teil sprachlos hinterlassen hat.

Neben all den guten Figuren, wurden wichtige Fragen aufgeworfen, die man sich als Leser immer wieder selbst beantworten muss: Wer sind wir? Was macht uns zu Menschen? Ist das, als was andere uns betrachten, wirklich das, was wir sind?

Nemesis ist eine Diabolic. Und lange Zeit in der Geschichte ist sie der Meinung, dass es das Einzige ist, dass sie wäre. Maschinenartig wehrt sie Emotionen und emotionale Annäherungen ab, da ihr immer gesagt wurde, dass sie für diese nicht geschaffen worden ist und sie als niedere Kreatur, die nur gemacht wurde, um zu beschützen, kein Anrecht auf diese hätte. Sie sieht sich selbst als diese und ist in dem Buch sehr lange ihrem Schicksal erlegen, das sie als dieses akzeptiert hat.
Im Laufe der Geschichte jedoch entwickelt sie sich jedoch und wird mit Fragen zu ihrer eigenen Menschlichkeit und ihrem eigenen Wesen konfrontiert. Wer ist Nemesis, außer einer Diabolic? Wer sind wir unter all den Schichten, mit denen wir uns im Leben bekleiden, um in die Rollen zu schlüpfen, die uns zugeteilt werden?

Diabolic – Vom Zorn geküsst“ war ein sehr gutes Buch, das mich aus meiner langen Leseflaute holen konnte. Obwohl das Buch sehr dick gewesen ist, war es zumeist spannend und dicht erzählt (sodass ich immer wieder vorgeblättert habe, um herauszufinden, wie Szenen ausgehen.). Es gab ein paar Längen, die für mich jetzt nicht weltbewegend gewesen, aber trotzdem vorhanden gewesen sind. Durch eine relativ klare Erzählstimme von Nemesis ist man gut durchgekommen und immer in der Lage gewesen, die Geschichte zu verfolgen, ohne von den Gefühlen der Protagonistin erdrückt zu werden, die trotz der Ich-Perspektive und vielen Gefühlen, das Bild der Handlung nicht verzerrt hat.

S.J. Kincaids kann dem Genre des Fantasy-YA in vielen Punkten – vor allem bei der Charakterzeichnung und Motivation der Figuren – noch einiges vormachen. Am 02. November 2017 ist die Fortsetzung mit dem Originaltitel „The Empress“ erschienen – Und ich werde sie auf jeden Fall lesen.

B E W E R T U N G

TIEFE: 4/5 Punkte
CHARAKTERE: 5/5 Punkte
KONZEPTION: 4/5 Punkte
GESAMT: 13/15 Punkten

Kaufempfehlung: Auf jeden Fall! 
Vor allem aber für Leute, denen es um mehr als nur eine Liebesgeschichte in einem Fantasy-Universum geht (da das Buch deutlich mehr als eine Liebesgeschichte zu bieten hat.)

Alles, alles Liebe,
Laura.
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